Lektion 12

Lektion 12
Die neutestamentliche Gemeinde

Inhalt
(Grafik links: Symbol aus Kreis, Dreieck und Quadrat)
  • Was ist Gemeinde?
  • Welche verschiedenen Bilder für Gemeinde gibt es?
  • Welche Dienste und Aufgaben gibt es in der Gemeinde?
  • In welcher Beziehung steht der Einzelne zur Gemeinde?

1. Sachanalyse

1.1. Was ist Gemeinde

1.1.1. Begriffserklärung

Das Wort „Gemeinde“ oder „Versammlung“, fruher auch mit „Kirche“ über- setzt, ist die Wiedergabe des griechischen Wortes „ecclesia“. Wörtlich bedeutet das „Die Herausgerufene“ und meinte ursprünglich die Bürger einer Stadt, die zur Bürgerversammlung gerufen und diesem Ruf gefolgt waren. In diesem Zu- sammenhang ist Gemeinde oder Versammlung u.a. in Apostelgeschichte 19,41 gebraucht.

Geistlich gesehen ist „Gemeinde“ die „Gesamtheit der neutestamentlich Er- retteten, die dem Ruf zur Lebensübergabe an den Herrn Jesus gefolgt sind“.

1.1.2. Darstellung

Aus einer heilsgeschichtlichen Schau heraus kann im Zusammenhang mit entsprechenden Bibeltexten unterschieden werden zwischen Ortsgemeinde, Gesamtgemeinde und „Universalgemeinde“.

Die „Universalgemeinde“ umfasst alle jemals an den Herrn Jesus Glau- benden, beginnend von Pfingsten bis zum Letzten, der dazukommt vor der Wie- derkunft des Herrn Jesus (Beschreibung z.B. in Eph 1,22). Die „Gesamtgemein- de“ ist die Gesamtheit aller Gläubigen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. heute) leben und den augenblicklichen Leib Christi auf der Erde darstel- len. Die praktische, sichtbare Darstellung von Gemeinde erfolgt in der „Ortsge- meinde“, wo den Bewohnern eines Ortes ein lebendiges Zeugnis des Wesens der Gemeinde Gottes gezeigt wird. Deshalb spricht man bei der Ortsgemeinde auch hin und wieder als von „dem Zeugnis in xyz“.

1.1.3. Besitz und Wesen

Die Gemeinde gehört Gott, er hat sie erworben durch das Blut seines eigenen Sohnes (Apg 20,28). Christus hat sich für sie hingegeben, um sie sich selbst verherrlicht darzustellen (Eph 5,25.26). Er hat sie sich selbst zum Eigentums- volk losgekauft (Tit 2,14).

Der Herr Jesus ist das von Gott gegebene Haupt der Gemeinde (Eph 1,22-23; 4,15; Kol 1,18). Ein anderes menschliches Oberhaupt kennt die Bibel nicht.

Die Gemeinde ist eine himmlische Einrichtung. Die einzelnen Glieder (die Bi- bel kennt keine Mitglieder) der Gemeinde sind auserwählt vor Grundlegung der Welt (Eph 1,4). Ihr Bürgertum ist in den Himmeln (Phil 3,20). Dorthin wird die Gemeinde entrückt (1Thes 4,13-18), nachdem die in Christus Entschla- fenen verherrlicht auferweckt wurden und die dann lebenden Gläubigen ver- wandelt werden, um allezeit bei dem Herrn Jesus zu sein (1Thes 4,18).

Die Gemeinde hat Segnungen himmlischer Art (Eph 1,3). Den Gegensatz dazu bildet das Volk Israel, das Segnungen irdischer Art besitzt. Zwar wird auch vom Volk Israel an vielen Stellen des Alten Testaments als „Gemeinde“ gesprochen, jedoch nicht im neutestamentlichen Sinn dieses Begriffs.

1.1.4. Ordnung

Gemeinde Gottes als geistliches Gebilde benötigt keine von Menschen er- stellten Ordnungen, Satzungen, Verfassungen. In ihrer Eigenschaft als „Körper- schaft öffentlichen Rechts“ und als konkret formierte Gruppierung van Men- schen innerhalb unserer Gesellschaft bedient sie sich allerdings gewisser Strukturen und Ordnungen, um ihr Erscheinungsbild und ihre gemeindlichen Aktivitäten in Verantwortung vor Gott und dem Staat zu regeln.

Maßgebend und verbindlich in allen inneren und äußeren Angelegenheiten ist zu allererst das Wort Gottes.

Zu den inneren Angelegenheiten gehören u.a.: Fragen der Lehre; Verkündi- gung und Auslegung des Wortes Gottes; Ablauf der Versammlungsstunden; biblische Ordnung in der Gemeinde, bei der Taufe, bei der Mahlfeier; Fragen des geistlichen Lebens innerhalb der Gemeinde, Fragen der Gemeindezugehö- rigkeit und Gemeindezucht. Zu den äußeren Angelegenheiten gehören: Kas- senführung; Gebäudeverwaltung; Vertretung der Gemeinde nach Außen (Fremden oder auch Behörden gegenüber) usw.

1.1.5. Aufgaben der Gemeinde

Die Gemeinde ist Pfeiler und Grundfeste der (göttlichen) Wahrheit in der Welt (1Tim 3.15). Sie soll als Gemeinde und durch ihre einzelnen Glieder durch

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zeugnishaften Lebenswandel das Licht Gottes darstellen. Es gilt, das Gesetz Christi, d.h. Liebe, zu praktizieren, Mission auf der ganzen Erde zu treiben und eifrig zu sein in guten Werken. Da alle Gaben von Gott kommen, sind die Emp- fänger herausgefordert, anderen mit ihren Gaben zu dienen und, wo nötig, auch in materieller Hinsicht zu helfen. In den Zusammenkünften liegt der Zweck,

  • Gott, den Vater, und seinen Sohn, dem Herrn Jesus, zu preisen und anzu- beten,
  • sich gegenseitig glaubensfördernd zu „bedienen“ und zu stützen mit dem Ziel der inneren Auferbauung und Helligung,
  • unerlösten Menschen das Evangelium zu verkünden.

1.2. Die biblischen Bilder der Gemeinde

Es gibt zahlreiche Bilder für die Gemeinde. Ihre Beschreibung legt jeweils den Schwerpunkt auf besondere Aspekte. Alle zusammengenommen ergeben ein umfassendes Bild. Die bekannteren Symbole sind:

1.2.1. Der Leib (1 Kor 12-14; Epheser-Brief, Kolosser-Brief)

Im Bild des menschlichen Leibes werden die Beziehungen der Gläubigen un- tereinander und zu ihrem Herrn verdeutlicht. Jesus Christus ist das Haupt, und alle Gläubigen bilden seinen Leib. Als lebendige Glieder üben sie ganz be- stimmte Funktionen aus. Man spricht daher in Verbindung mit 1. Korinther 12 gerne von dem Bild der „funktionierenden Gemeinde“.

Im Brief an die Epheser wird die Herrlichkeit des Leibes geschildert. Sie wird dort als die „Fülle des Christus“ (Eph 1,23) beschrieben.

Im Brief an die Kolosser ist es umgekehrt. Dort wird die Herrlichkeit des Hauptes beschrieben sowie die des Leibes in seiner Beziehung zum Herrn Jesus.

1.2.2. Die Herde (Apg 20,28)

So wie eine Schafherde einen Hirten braucht, der sie führt und beschützt, so braucht die Gemeinde Hirten und Lehrer. Der Herr Jesus selbst ist der Oberhir- te (1Petr 5,3), weil er die Herde durch seinen Opfertod in seinen Besitz ge- bracht hat. Die von ihm eingesetzten Hirten, Lehrer, Führer, Ältesten und Auf- seher sind ihm Rechenschaft darüber schuldig, wie sie mit seiner Herde umgehen (Hebr 13,17). Er selbst gibt auch das Vorbild für einen guten Hirten in Johannes 10.

Das Bild von der Herde betont den Aspekt der Versorgung der Gemeinde durch den Herrn Jesus.

1.2.3. Der Tempel (1 Kor 3,16)

Der Tempel ist ein Gott geweihter Raum. Dadurch soll die Heiligkeit Gottes bildlich dargestellt werden.

Im NT wird dieser Tempel aus „lebendigen Steinen“ aufgebaut. Wie im AT soll auch der neutestamentliche „Tempel Gottes“ ein Ort der Anbetung Gottes sein.

1.2.4. Der Bau (das Haus) (1 Kor 3,9)

Zu diesem Bau hat Gott den Grundstein gelegt. Dieser Grund- oder Eckstein ist der Herr Jesus selbst (Ps 118,22; 1 Petr 2,4.6.7; 1 Kor 3,11).

Alle Gläubigen haben sich an ihm zu orientieren und auszurichten. Sie sollen sich von Gott an den Platz stellen lassen, den er für sie vorgesehen hat. Das Bild des Baues bzw. Hauses betont den Aspekt, dass Gott unter den Menschen wohnen will.

1.2.5. Die Braut (2Kor 11,2; Eph 5,24; Offb 19,6b-10; 21,9)

Das Bild von der Braut spricht von der Liebe und Treue des Herrn Jesus zu sei- ner Gemeinde. Er hat sich selbst für sie hingegeben. Er kümmert sich um sie und will sie verherrlicht vor sich hinstellen.

1.2.6. Der Leuchter (Offb 1,20)

Dieses Bild spricht von der Aufgabe, das göttliche Zeugnis auf der Erde leuch- ten zu lassen. Das Bild zeigt aber auch die große Verantwortung, die der ein- zelne Gläubige und die Gemeinde in dieser Welt haben.

1.2.7. Das Ackerfeld (1 Kor 3,9)

Hier wird deutlich, dass Gott Frucht erwartet, denn das ist Zweck eines Acker- feldes. Der Besitzer ist Gott, der an uns arbeitet, damit wir mehr, viel und blei- bende Frucht bringen (Joh 15,2.8.16).

1.2.8. Das Geheimnis (Eph 3)

Diese Umschreibung stellt heraus, dass Gottes Plan mit der Gemeinde in der vorweltlichen Ewigkeit gefasst wurde und dass er ihn zunächst in sich selbst verborgen hat (Eph 3,9). Seinem Knecht Paulus hat er ihn geoffenbart (Eph 3,8) und dieser hat im Auftrag Gottes dieses Geheimnis erklärt. Dieses Bild hebt die außerordentliche Wertschätzung der Gemeinde durch Gott hervor.

1.3. Dienste und Aufgaben

Die biblische Beschreibung der Gemeinde kennt keine Unterteilung von Geistlichen und Laien. Alle haben Gaben von Gott erhalten und somit auch Aufgaben (1 Kor 12,11… einem jeden…; 1 Petr 4,10 … ein jeder… hat).

Diese Gaben sind gegeben, um einander und Gott zu dienen, Dabei kann man grob unterscheiden nach Wortgaben und Tatgaben. Zu den ersteren ge- hören Ältesten- oder Aufseherdienste, Lehrdienste und Hirtendienste.

Diese Dienste sollen nur solche ausüben, die um die Berufung vom Herrn und die durch den Heiligen Geist geschenkten Gaben wissen. Auch müssen ge- wisse Voraussetzungen erfüllt sein, wie sie sich aus mehreren ausführlichen Be- richten des Neuen Testaments ergeben. Die Berichte zeigen deutlich auf, dass solche Dienste nicht kraft einer menschlichen Berufung oder eines Amtes aus- geführt werden, sondern allein auf Grund einer Berufung durch den Herrn (Röm 12,6-8; Apg 20,28; 1Thes 5,12; 1Tim 3,1-7; 4,11-12; 5.17; 2Tim 4,5; 2,2.15; 4,25; Tit 1,6-9; Hebr 13,7.17; Eph 4,7.11). Der zweite Bereich ist der Auf- gabenbereich der Diener. Jedes Glied am Leib Christi ist mit hineingenommen in die Aufgaben der Dienste füreinander. Jeder ist dafür verantwortlich nach dem Maß der Gabe des Christus.

Darüber hinaus gibt es aber auch Dienste, die nur von dafür ausdrücklich be- stimmten Gläubigen getan werden können (Apg 6,3-6; 1Tim 3,8-13 2Tim 1,18). [Randnotiz rechts: siehe 1.1.4.]

1.4. Beziehungen der einzelnen Glieder zueinander

Das NT deutet hier zwei „Dienstbereiche“ an. Zum einen dienen alle durch das Aufbringen finanzieller Mittel, um die materiellen und finanziellen Bedürf- nisse des Werkes Gottes abzudecken. Solche Aktivitäten werden auch als „Mit- teilen“ oder als „Opfer“ bezeichnet (Röm 12,8).

Ein anderer ist der Dienstbereich der „Hilfeleistungen“ (Diakonie). Hierzu ge- hört auch, dass man in Fällen von Krankheit, Armut, Schwachheit oder anderer Notlagen sich gegenseitig hilft und sich z.B. auch besonders Älterer oder Ein-

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samer annimmt. Zum „Füreinander-Beten“ braucht man keine Gabe, aber gera- de das ist einer der wichtigsten Dienste des einzelnen Gemeindegliedes. Besonders deutlich wird dieses „Füreinander-Dasein“ und „Aufeinander-Ange- wiesen-Sein“ beim Bild des menschlichen Leibes in den Funktionen der einzel- nen Körperteile für den ganzen Leib. Dieses Bild beschreibt 1. Korinther 12 sehr eindrücklich. Dort wird deutlich, dass Bedürfnisse, Gefühle und Erfah- rungen immer den ganzen Leib betreffen (1 Kor 12,26).

Die Zugehörigkeit zur Gemeinde Gottes zeigt sich in der verbindlichen Anteil- nahme an den Belangen der Ortsgemeinde. Sie gibt, zusammenfassend ge- sagt, dem einzelnen Christen Rechte und Pflichten.

1.4.1. Die Gemeinde hat die „Pflicht“:

  • das Wort Gottes zu verkündigen und über die Lehre und das Leben der Ge- schwister bewahrend und schützend zu wachen (1Tim 6,3; Apg 20,28-31; Tít 1,9; 3,8; 2,1; 1Kor 6,5; 11,31; 2Jo 4; Mt 18,15-16; 2Kor 8,21).
  • seelsorgerische Dienste auszuüben, sich der Schwachen in Liebe anzuneh- men, Irrenden nachzugehen und Kleinmütige zu trösten, Unordentliche zurechtzuweisen und zu ermahnen, Säumige zu ermuntern, die Zusam- menkünfte nicht zu vernachlässigen (1Thes 2,7; 1Petr 5,2; Apg 20,28; 1 Kor 9,19.22; 1 Thes 5,14; 1Tim 4,13; 2Thes 3,6; Gal 6,1.2; 1Tim 5,20.21; Hebr 10,24.25).
  • gegebenenfalls Gemeindezucht zu üben. Es gibt eine Gemeindezucht, die zu einer Bezeichnung vor der Gemeinde oder gar zu einem Ausschluss von der Gemeinschaft führen kann. Eine solche Maßnahme dient zur Bereini- gung von Sünde innerhalb der Gemeinschaft. Dabei kann sie als letztes Mittel dazu dienen, eine Beugung und Zurechtbringung des Schuldigge- wordenen herbeizuführen. Motiv dazu muss immer die Liebe sein (1 Kor 5,11.13; 5,4; Mt 18,18; 1 Thes 4,7.8; Rồm 6,1.2.6; 1Tím 5,20; 2Kor 6,16-18; 2Thes 3,14).

1.4.2. Die Glieder der Gemeinde haben gegenüber der Gemeinschaft die „Pflicht“:

  • ihre vom Herrn Jesus empfangenen Gaben zu betätigen und sich gegen- seitig in Liebe zu begegnen, zu ermahnen und ermahnen zu lassen, einen Lebenswandel in Reinheit und Treue vor dem Herrn zu führen und auf ein gutes Zeugnis vor allen Menschen zu achten (Mt 22,39; Mk 12,31; Joh 13,14.34; 15,5; Röm 12,9.10; 1Thes 5,14.22.23; Eph 4,1-6; 1Petr 2,9-12; 1Jo 4,21).
  • die von der Gemeinde durchgeführten Maßnahmen, wie z.B. öffentliche Wortverkündigungen oder Evangelisationen zu unterstützen (finanzielle und materielle Hilfeleistungen) und persönliche Dienste wahrzunehmen und, nicht zuletzt, die Versammlungsstunden regelmäßig zu besuchen (Apg 2,42-47; Gal 6,6; Röm 16,1; Phil 4,16.18; 1Tim 5,18; Hebr 10,24.26; 13,16.21).
  • wichtige Entscheidungen, wie z.B. Teilnahme am Mahl des Herrn oder Ausschlüsse aus der Gemeinschaft, mitzutragen (Mt 18,17; 1Kor 5,6.7.12; Offb 2,2.14.16; 2Thes 3,6).
  • die Ältesten zu achten, anzuerkennen und zu ehren (Hebr 13,7.17; 1 Thes 5,17).

2. Vorüberlegungen zur Situation der Schüler

Die Beziehung zur eigenen Gemeinde kann in Bezug auf den Schüler zunächst unter dem Gesichtspunkt der sozialen Einbindung in eine fest gefügte Gruppe gesehen werden, vergleichbar mit der Einbindung in die eige- ne Familie. Die Gemeinde ist für den Schüler also der Ort, wo er ein gewisses Maß an Geborgenheit erfährt und Beziehungen zu anderen aufbauen kann. Diese Einbindung ist umso stärker, je intensiver die Teilnahme am Leben der Gemeinde ist. Wenn es jedoch durch die Bekehrung nicht zu einer echten geist- gewirkten Verbindung zur Gemeinde als „Gemeinschaft wiedergeborener Christen“ kommt, wird diese Einbindung sich in dem Maße auflösen bzw. auf- gegeben werden, wie der Heranwachsende selbständig wird und geneigt ist, sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen u.U. auch unabhängig von jeg- licher Bindung an die Gemeinde zu gestalten. Oft geschieht dies in Verbin- dung mit einem außergemeindlichen Freundes- oder Bekanntenkreis oder ei- ner Partnerschaft mit einer Person, die außerhalb der Gemeinde steht. Je nach Persönlichkeitsstruktur kann aber auch der Fall eintreten, dass trotz fehlender geistlicher Verbindung eine endgültige Lösung von der Gemeinde nicht er- folgt, weil nicht genügend Kraft vorhanden ist, ein alternatives Lebenskonzept aufzubauen. So geartete „Fälle“ vermitteln dann dieses oft zu beobachtende zwiespältige Erscheinungsbild einer passiven „Gemeindezugehörigkeit“.

In der Altersgruppe der Schüler kann man davon ausgehen, dass die Bindung an die Gemeinde gewissermaßen einer Bewährungsprobe ausgesetzt ist. Das Interesse ist jetzt u.U. verstärkt auf außergemeindliche Bereiche gerichtet, der Besuch der Gemeindestunden wird oft als unliebsame Pflicht empfunden, die den eigenen Interessen im Wege steht. Ein Verständnis für die geistlichen Zu- sammenhänge des Gemeindelebens ist sicher noch nicht vorhanden und kann allenfalls angebahnt werden. Entscheidend dabei ist, ob mit der Wiedergeburt die Voraussetzung für ein geistliches Verständnis gegeben ist. In diesem Fall kann man auch trotz vorrangig anderer Interessen mit einem gewissen Maß an innerer Aufgeschlossenheit gegenüber den Lehrinhalten des NT zum Thema „Gemeinde“ rechnen. In jedem Falle aber kann deutlich werden, dass Gemein- de mehr ist als nur eine soziale Gruppe und dass die Zugehörigkeit zur „Ge- meinschaft der Wiedergeborenen“ von dem ganz persönlichen Verhältnis zu Jesus Christus abhängt und nicht von Zugehörigkeit zur eigenen Familie, die in die Gemeinde eingebunden ist.

Die Verinnerlichung des neutestamentlichen Gemeindebildes ist ein Prozess, den jeder Schüler anders durchlebt. Ziel dieser Unterrichtseinheit ist es, posi- tive Impulse für die Entscheidungsfindung des Schülers im Jugendalter zu set- zen.

Der Schwerpunkt dieser Lektion liegt auf der Gemeinde als ein „geistliches Gebilde“, wie es im Neuen Testament ja auch vorrangig vorgestellt wird. Dabei soll aber nicht ausgeblendet werden, dass Gemeinde auch eine äußerlich wahr- nehmbare Gestalt in unserer Gesellschaft annimmt und dabei auch alle Mög- lichkeiten des Medienzeitalters nutzt (bis hin zur Präsentation im WorldWide- Web durch eine individuelle Homepage). Hier liegt allerdings auch eine Gefahr: Die äußere Gestalt und Selbstdarstellung von Gemeinde kann ihren geistlichen Organismus so sehr überlagern und in den Hintergrund drängen, dass dieser zunehmend unwichtig erscheint und verkümmert.

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3. Aufbau der Unterrichtseinheit

Überblick

Lernziele Lernschritte
1 Ausgehend von der eige- nen Gemeindesituation sollen die Schüler die Gemeinde als kontinuier- liches Werk Gottes in der Geschichte einschätzen lernen und ihre wesent- lichen Merkmale kennenlernen.
  • Stichwortsammlung zum Begriff „Ge- meinde/Kirche“.
  • Darstellung eines „Veranstaltungska- lenders“ der eigenen Gemeinde des Schülers.
  • Erarbeitung zentraler Elemente des Gemeindelebens der Jerusalemer Ur- gemeinde.
  • Klärung des Wesens von Gemeinde anhand von Gemeindebegriffen.
  • Verdeutlichung des Unterschiedes zwischen Universal-, Gesamt- und Ortsgemeinde anhand einer Grafik.
2 Bilder für die Gemeinde kennenlernen und ihren Aussagein- halt in Bezug auf die Funktionswei- se von Gemeinde reflektieren.
  • Bilder des NT für die Gemeinde im Überblick erarbeiten und anhand von Bibelstellen auf ihre jeweilige, zentrale Aussageintention hin unter- suchen.
  • Am Bild vom „Haus Gottes“ die Funk- tionselemente und Grundlagen neu- testamentlichen Gemeindebaus ana- lysieren.
3 Die Funktionsweise der Gemeinde als lebendiger Organis- mus im Zusammenhang mit der Be- tätigung von Gaben und Erfüllung von Aufgaben erfassen.
  • Am Beispiel des menschlichen Kör- pers die Funktionsweise des leben- digen Organismus „Gemeinde“ erar- belten.
  • Die Geistesgaben in diesen Zusam- menhang einordnen und nach über- geordneten Kategorien gliedern.
  • Den Einsatz der Gaben in Bezug set- zen zu aktuellen Aufgabenbereichen im heutigen Gemeindeleben. Hin- weise und Hilfen zum Erkennen der eigenen Gabe reflektieren.
  • Konsequenzen des persönlichen Ein- satzes im Zusammenhang mit eini- gen wichtigen Aufgaben in der Ge- meinde bedenken.

3.1. Erste Stunde: Was ist Gemeinde?

(Symbol: Uhr) 1. Schritt: Brainstorming zum Stichwort „Gemeinde“ mit folgenden Im- pulsen: Woran denkst du beim Stichwort „Gemeinde“ oder „Kirche“? Wie erlebst du „deine“ Gemeinde? Sammeln der Antworten ohne Kom- mentar. Anschließend Reflexion über die eigene Gemeinde, indem der Schüler die Veranstaltungen in einem Wochenkalender aufschreibt und sich über wei- tere „Sonderveranstaltungen“ bewusst wird. Dabei sollte sich der Lehrer genü- gend Zeit nehmen, auf die Erfahrungen und Erlebnisse der Schüler einzuge- hen. Einstieg
siehe AB 12.1.pdf
2. Schritt: Überleitung zur „ersten Gemeinde“: Anhand des Bibeltextes aus Apostelgeschichte 2,42-47 herausarbeiten, was die Gemeinde damals kenn- zeichnete. Die Schüler sollen die vier wesentlichen Elemente des Gemeindele- bens im Bibeltext unterstreichen und überlegen, wo bzw. bei welchen Anlässen sie diese in „ihrer“ Gemeinde finden.
Vertiefende Fragestellung: Welche Elemente finden sich heute nicht mehr? Mögliche Gründe erörtern. (Ggf. sollte der Lehrer darauf hinweisen, dass be- stimmte Elemente des damaligen Gemeindelebens symptomatisch für die An- fangszeit der Gemeinde bzw. die Übergangszeit von Judentum und Christen- tum waren.)
Erarbeitung
siehe AB 12.1.pdf
Vertiefung
3. Schritt: Gespräch über die „gängigen“ Bezeichnungen für die Gemeinde heute. Evtl. auf die Problematik eingehen, dass es heute so viele verschiedene Gemeinden gibt, was sich eben auch in den unterschiedlichen Bezeichnungen äußert. Dabei sollte man auf den Unterschied zwischen den Grundbegriffen (s. AB) und den Namen hinweisen, die sich aus dem unterschiedlichen Selbstver- ständnis der jeweiligen Kirchen und Freikirchen ergeben.
Überleitung auf den neutestamentlichen Gemeindebegriff „ecclesia“. An die- sem Begriff aufzeigen, wie Gemeinde entsteht und wer zur Gemeinde gehört. Dabei soll deutlich werden, dass es nicht um Mitgliedschaft, sondern um Zuge- hörigkeit zur Familie Gottes durch Wiedergeburt geht.
siehe AB 12.2.pdf
4. Schritt: Differenzierung zwischen Orts-, Gesamt- und Universalgemeinde. Er- läuterung der Definitionen. Lernkontrolle durch Zuordnung der Gemeindebe- griffe innerhalb der Grafik. Die Zeichnung provoziert auch die Frage, wann die Bildung der Gemeinde abgeschlossen sein wird. In Verbindung mit 1. Thessa- lonicher 4,16.17 kann auf die Entrückung der Gemeinde verwiesen werden. Gleichzeitig zeigt diese Bibelstelle auch den Charakter und das Ziel der Ge- meinde. Dieser Gedanke kann durch die beiden abschließenden Fragen ver- tieft werden.
Ergebnis: Die Gemeinde ist keine starre örtlich und zeitlich begrenzte Größe, sondern ein dynamischer Organismus, der beständig wächst und dessen wirk- liche Größe allein Gott bekannt ist.
siehe AB 12.3.pdf

3.2. Zweite Stunde: Die Bilder für die Gemeinde

(Symbol: Uhr) 1.Schritt: Bilder/Begriffe aus der Umwelt des Schülers nennen die ei- nen Aspekt von Gemeinde veranschaulichen, z.B. Familie, Verein, Klas- senverband usw. Überleitung auf die Tatsache, dass Gott Bilder benutzt um zu zeigen, was Gemeinde Gottes eigentlich ist. Anhand des Arbeitsblattes die Bezeichnungen der Bilder mit Hilfe der Bibelstellen erarbeiten. Hilfe zur Einstieg
Lektion 12
siehe AB 12.4.pdf
Erarbeitung
Überleitung zum nächsten Lernschritt bietet der abschließende Text des Ar- beitsblattes.
siehe
AB 12.5.pdf
2. Schritt: Gott benutzt viele verschiedene Bilder, um die verschiedenen We- senszüge, Eigenschaften und die Vielfalt der Aufgaben innerhalb der Gemein- de zu zeigen. Im Gespräch werden die Kennzeichen herausgestellt, die für das einzelne Bild typisch sind. Die Ergebnisse werden auf dem Arbeitsblatt gesi- chert. (Evtl. auf eine Auswahl beschränken und die restlichen Bilder von den Schülern als Hausaufgabe erarbeiten lassen.)
Mit der Frage, in welchen Bildern besonders die Rolle des einzelnen Christen angesprochen wird, wird der nächste Lernschritt vorbereitet. Der abschlie- ßende Impuls auf dem Arbeitsblatt soll Lehrer und Schüler helfen, den aktu- ellen Bezug zur eigenen Gemeinde herzustellen.
Vertiefung
siehe AB 12.6.pdf
3. Schritt: Vertiefung der Zusammenhänge am Bild des Hausbaus. Über die herausgestellten Grundelemente hinaus lässt sich das Bild in Einzelzügen durchaus noch vertiefen. Eine Anregung dazu bietet der „Steinblock“ in der Mitte des Arbeitsblattes. Er regt den Gedanken an, dass die Steine vor Ge- brauch einer Bearbeitung unterzogen werden, die man mit der Bekehrung bzw. Neuwerdung des Menschen vergleichen kann.
Die letzte Arbeitsanweisung dient der Lernkontrolle, ob der Schüler das Bild und die Übertragungsmöglichkeiten erkannt und verstanden hat.

3.3. Dritte Stunde: Aufgaben in der Gemeinde

Einstieg (Symbol: Uhr) 1. Schritt: Gespräch einleiten mit der Frage: Wie funktioniert unser Körper? Stell dir vor, du willst das auf deinem Teller befindliche Schnit- zel essen. Versuche, diesen alltäglichen Vorgang in seine Einzelschritte zu zerlegen! (Steuerung vom Kopf aus, Gehirn; Nervenstränge als Ver- bindung zwischen Gehirn und Gliedmaßen; Betätigung der einzelnen Glieder.) Überleitung zum geistlichen Organismus Gottes, der Gemeinde. Zur Erfül- lung aller Aufgaben hat Gott jedem Kind Gottes eine Gnadengabe gegeben.
siehe AB 12.7.pdf
Erarbeitung
2. Schritt: Ausfüllen der Textlücken und Gliederung der verschiedenen Gna- dengaben nach „grundlegenden, beweisführenden und aufbauenden Gaben“. Die kurzen Erklärungen auf dem Arbeitsblatt und die einzelnen Gaben sollten im Gespräch vertieft und am Bild des Leibes ihr Zusammenwirken deutlich ge- macht werden.
siehe AB 12.8.pdf 3. Schritt: Verknüpfung der Gaben mit dern Umfeld Gemeinde, wie es sich dem Schüler darstellt. Auf den einzelnen Fotos werden Arbeitsbereiche vorge- stellt, in denen bestimmte Gaben zur Anwendung kommen. Ein weiterer As- pekt ist eine konkrete Hilfe zum Erkennen der eigenen Gabe. Hier sollte der Lehrer den Schwerpunkt auf die Bereitschaft legen, Aufgaben zu übernehmen, und darauf hinweisen, dass eine Gabe beginnend im Kleinen durch Betäti- gung entfaltet wird.
siehe AB 12.9.pdf 4. Schritt: Anknüpfend an den Grundsatz, dass mit einer Gabe immer eine Auf- gabe verbunden ist, erarbeiten die Schüler den notwendigen Einsatz, die Er- gebnisse bei Erfüllung und die Folgen von Vernachlässigung bestimmter Auf- gaben innerhalb der Gemeinde, die auch von den Schülern bereits wahrgenommen werden können.

4. Abschließende Vergegenwärtigung

Die Aussagen des NT über die Gemeinde beziehen sich kaum auf ihre äußere organisatorische Gestalt, sondern fast durchweg nur auf ihren geistlichen Charakter. Von ihrem Wesen als geistliches Gebilde her soll sie eine diesem Charakter am ehesten entsprechende äußere Gestalt bekom- men. Gemeinde Gottes bildet sich daher immer wieder neu von ihrem geist- lichen Charakter her und nicht durch einen vorgegebenen organisatorischen Rahmen. Je stärker die äußere Organisationsform betont und ausgebildet wird, desto größer wird die Gefahr, dass die geistliche Substanz durch eine er- starrende Form ersetzt wird und diese sich verselbständigt.

Dem Schüler kann dabei deutlich werden, dass eine funktionierende Gemein- de nicht organisiert werden kann, sondern erst durch die persönliche Hingabe der einzelnen Gemeindeglieder in Verbindung mit den Wirkungen des Geistes Gottes entsteht und wächst. Somit wird er neben seiner äußeren Zugehörigkeit zur „Institution“ Gemeinde auch in die Verantwortung gestellt, Gemeinde Gottes von seiner persönlichen Christusbeziehung her mitzugestalten.

Mögliche Hausaufgaben – eintragen unter der Rubrik ZUM LERNEN:

  • Nenne die wichtigsten Kriterien für eine Gemeinde nach dem NT! (im Mit- telpunkt ist Jesus Christus, der Sohn Gottes; Ziel ist die Verwirklichung der Gedanken Gottes; Absicht, Menschen mit dem Evangelium von Jesus Chri- stus zu erreichen; Einsatz der von Gott gegebenen Gaben unter Leitung des Heiligen Geistes)
  • Überlege, warum die Gemeinde so wertvoll ist. Was hat Gott eingesetzt, um sich die Gemeinde zu erwerben? Lies dazu Ap 20,28; Rom 8,32; Eph 5,25; Tit 2,14!
  • Bete darum, dass Gott dir karmacht, welche Aufgaben er für dich in der Gemeinde hat!

5. Malerialhinweise

(Symbol: Bücherstapel links)
  • Jaeger/Pletsch (Hrsg.), Biblische Lehre kompakt, CV Dillenburg, Lektion 12
  • Charles C. Ryrie, Die Bibel verstehen, CV Dillenburg, Teil XI: „Ich werde meine Gemeinde bauen“, S. 436-485
  • W. MacDonald, Christus und die Gemeinde, CV Dillenburg
  • Eberhard Platte, Warum gehe ich in diese Gemeinde?, CV Dillenburg
  • Was uns die Bibel lehrt, Biblische Standpunkte von Brüdergemeinden, CV Dillenburg
  • Karl-Heinz Vanheiden, Bibelchronik Band 5: Die Gemeinde und ihr Buch, Eine Chronik ihrer Geschichte und der Entstehung der Schriften des NT, CV Dillenburg
  • Friedhelm Jung, Was ist evangelikal?, Welche Gemeinden gehören zur sog. evangelikalen Bewegung?, CV Dillenburg
  • Internet: siehe Angaben auf der CD-ROM
Lektion 12 | 200

Die neutestamentliche Gemeinde | Lektion 12.1

Was ist Gemeinde?

• Schreibe alles auf, was dir zum Stichwort „Gemeinde“ oder „Kirche“ einfällt!

(Grafik: Nachdenkender Junge, daneben Kasten mit handschriftlichen Eintragungen):

Sonntagmorgen | Glockenklang | gute Kleider | Stillsitzen | Sonntagsschule | Predigt | Kollekte | Bibel | Lieder | Taufe | Geschwister | Brotbrechen | Bänke | Jesus | großer Saal

• Schreibe auf, was in deiner Gemeinde alles geschieht (Veranstaltungen, Einrichtungen, Feste usw.)!

Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag
Brot-brechen
Predigt
Jugend-kreis Gebets-stunde
Bibel-stunde
Chor-probe Bücher-tisch
Einsatz
Jungschar

Weitere Sonderveranstaltungen (handschriftlich rechts daneben): Hochzeiten, Silvesterfeier, Gemeindeausflug, Taufen, Feste

Die erste Gemeinde gab es vor etwa 2000 Jahren in Jerusalem. Ihre Entstehung und ihr Gemeindeleben wird in der Apostelgeschichte beschrieben. Lies den abgedruckten Bibeltext aus Apostelgeschichte 2,42-47 und schreibe auf, was damals das Gemeindeleben kennzeichnete!

[Bibeltext auf Schriftrolle – Apostelgeschichte 2,42-47; im Original sehr klein gedruckt. Unterstrichene 4 Hauptelemente:]
Lehre der Apostel, Gemeinschaft, Brechen des Brotes, Gebeten.
Handschriftliche Notizen rechts daneben:
• Beständigkeit
• Zusammenhalt
• Freude und Lob Gottes
• Wachstum durch Bekehrungen

• Unterstreiche im Bibeltext die 4 Hauptelemente des Gemeindelebens!
Wo findest du diese Elemente in deiner eigenen Gemeinde?

  1. Predigten, Bibelstunden
  2. bei jedem Treffen
  3. beim Abendmahl
  4. besondere Gebetsstunden
Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, Biblische Lehre für junge Leute | Arbeitsblatt 12.1.pdf

Die neutestamentliche Gemeinde | Lektion 12.2

Was ist Gemeinde?

Wir gebrauchen unterschiedliche Bezeichnungen:

Kirche Gemeinde Versammlung
kommt von „Kyriake“ (griech.)
d.h. „dem Herrn gehörig“
hat zu tun mit
„Gemeinschaft“
hat zu tun mit
„sich versammeln“
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